Frau Brambilla beim Notar

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Neues Kapitel der Muster-Familie Brambilla

Was bisher geschah:

Frau Maria Brambilla hat von ihrer Mutter ein Haus geerbt. Sie bewohnt mit ihrem Mann Josef und den beiden Kindern, Adam und Eva, eine Eigentumswohnung. Durch die Annahme des Erbes gerät Frau Brambilla in die Mühlen der Bürokratie und hat manch schlaflose Nacht. Die Entscheidung das geerbte Haus zu renovieren und dann selbst zu bewohnen, bringt einige Aufregungen in den bis dato geregelten Alltag der Familie.

Kapitel 3

Frau Brambilla beim Notar

Die Eheleute Brambilla sind durch die Aussagen des Formalis beim Amtsgericht vollkommen durcheinander.

Nach einem verzweifelten Anruf bei der Bank, wird ihnen mittgeteilt, dass der Notar sich um solche Angelegenheiten kümmert.

Die Brambillas konsultieren also einen Notar. Bei der Wahl, machten sie sich keine großen Gedanken, da diese als Amtspersonen anzusehen sind und dementsprechend alle die gleiche Kostennote haben. Nach einer kurzen Begrüßung kommen die Brambillas endlich dazu ihr Anliegen vorzubringen. Bevor der Notar Herr Urkundus ins Detail geht, fragt er, ob die Erbschaft schon beim Finanzamt angezeigt worden sei. Jeder, der Kenntnis davon erlangt, dass er in Zusammenhang mit einem Todesfall Vermögenswerte erhält, ist verpflichtet, innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten, nachdem er Kenntnis erlangt hat, dem für die Erhebung der Erbschaftsteuer zuständigen Finanzamt diesen Vorgang anzuzeigen. Das zuständige Finanzamt ist das für Erbschaftssteuerangelegenheiten des Erblassers – nicht des Erwerbers – zuständig ist. Hätte Frau Brambillas Mutter ein notarielles Testament gemacht oder einen Erbvertrag mit ihrer Tochter geschlossen, müsste Sie keine Anzeige beim Finanzamt über die Erbschaft  machen, hätte sie nicht Grundbesitz geerbt. Denn durch das geerbte Grundstück ist eine Anzeige wieder erforderlich. Nach Eingang der Anzeige prüft das Finanzamt, ob es den Anzeigenden zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung auffordert. Unterlässt man die Anzeige, zu der man nach dem Gesetz verpflichtet ist, kann dies zu einem Strafverfahren wegen (versuchter) Steuerhinterziehung führen, wenn durch das Unterlassen der Anzeige die Erbschaftssteuer nicht oder verspätet festgesetzt wird so soll die Anzeige beim Finanzamt  folgende Angaben enthalten:

Vorname und Familienname – Beruf – Wohnung der Erblassers und des Erwerbers, Todestag und Sterbeort des Erblassers, Gegenstand und Wert des Erwerbs, Rechtsgrund des Erwerbs wie gesetzliche Erbfolge, Vermächtnis, persönliches Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser wie Verwandtschaft, Schwägerschaft, Dienstverhältnis, frühere Zuwendungen des Erblassers an den Erwerber nach Art, Wert und Zeitpunkt der einzelnen Zuwendung.

Frau Brambilla schaut ihren Mann verzweifelt an und fragt den Urkundus nach der Erbschaftssteuer. Dieser erklärt, dass sie als Tochter einen Freibetrag von 400.000 Euro hat und wenn die Immobilie nicht mehr an Wert hat und weitere Vermögenswerte nicht vererbt worden sind, dann sind Sie von der Steuer befreit. Grunderwerbsteuerpflichtig sind Sie als Tochter ja auch nicht. Somit bleiben Ihnen die in Niedersachsen festgelegten 5% Grunderwerbsteuer vom Wert der Immobilie erspart. “Das wird ja jetzt immer verrückter mit dieser Erbschaft ” sagt Frau Brambilla und stellt fest “wir wissen gar nicht, was für einen Wert unsere Immobilie hat. Was machen wir denn jetzt? ” Der Urkundus verweist auf einen Bewertungssachverständigen, dieser wird den Wert ermitteln und Ihnen ein Gutachten zur Weiterleitung an das Finanzamt erstellen und wendet sich dem eigentlichen Anliegen der Familie Brambilla zu. Daraufhin zieht er zuerst das Grundbuch und leitet es an die Bank zum Zweck der Finanzierung weiter, das war am selben Tag erledigt. Der gleich daraufhin beantragte Erbschein war nach drei Wochen ausgestellt. Die Grundschuldbestellungsurkunde war schon vor Eingang des Erbscheines beurkundet. Somit konnte der Notar gleichzeitig den Eintrag der Grundschuld und die Eigentumsumschreibung im Grundbuch beantragen. Leider war der Formalis sehr ausgelastet und darum dauerten die Eintragungen im Grundbuch nochmals drei Wochen. Eine Woche darauf ging die Zahlung der Bank ein und die Brambillas konnten ihre Renovierungsarbeit fortsetzen.

Durch den Kontakt zum Notar haben die Brambillas erfahren, dass man an Immobilieneigentum die rechtliche Herrschaft nur durch die Eintragung im zuständigen Grundbuch als Eigentümer erhält. Indem man die Schlüssel und das Nutzungsrecht hat ist man Besitzer, das ist die tatsächliche Herrschaft. Erbschaftsteuer mussten Sie auch nicht zahlen, da die Immobilie durch das Gutachten nur einen Wert von 300.000,– € darstellt und weitere Vermögenswerte nicht hinterlassen wurden. Somit wurde der für Frau Brambilla geltende Steuerfreibetrag für Erbschaftsteuer in Höhe von 400.000,- €, als Kind in Erbfolge, nicht überschritten.

Jetzt kennen Sie sich jetzt mit Eigentum und Erben aus und wissen das Erben ganz schön anstrengend und teuer sein kann. Grad wenn es sich um Immobilien handelt.

Dass der Verkauf der Eigentumswohnung die nächsten schlaflosen Nächte bringt, erfahren sie in der Fortsetzung.

Bildnachweis:

Fotolia_71995594_S_portrait of middle age spouses © evarin20

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2 Kommentare - Sei der Nächste

  1. Hallo Carmela,

    an der Stelle will ich einfach mal Danke sagen. Du schreibst wirklich sehr anschaulich und vor allen Dingen verständlich. Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, ist das eine große Hilfe. Super, dass Du sowohl Zeit als auch Kreativität investierst und darüber hinaus noch kostenlos Dein Fachwissen teilst. Danke!

    Viele Grüße
    Jürgen

    • Hallo Jürgen,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Ich arbeite gerade daran, mein Angebot auszuweiten um noch mehr Hilfestellung
      zu leisten.
      Herzlichen Gruß
      von der Immobilienflüsterin 😉
      Carmela

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